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Cadillac Eldorado 1967

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Der Traum vom Blech: Wie aus zwei Jungs im Kinderzimmer stolze Cadillac-Besitzer wurden

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Cadillac Eldorado 1967

Der Traum vom Blech: Wie aus zwei Jungs im Kinderzimmer stolze Cadillac-Besitzer wurden

Mitte der 80er-Jahre. Martin und ich sitzen am Boden unseres Kinderzimmers und studieren eines unserer geliebten Automagazine. Damals gab es die Chrom & Flammen bereits, die wir uns regelmässig am Kiosk kauften. Auch das Wheels-Magazin begleitete uns durch diese Zeit. Da ich schon in meinem kindlichen Alter von etwa zehn Jahren genau wusste, für welche Fahrzeuge mein Herz schlägt, waren diese einschlägigen Hefte über die Autos aus Übersee genau die richtige Lektüre für Martin und mich.

Tinu ist zwar drei Jahre älter als ich, aber wir verstanden uns schon seit frühester Kindheit – und das tun wir bis heute. Damals, in den 80ern, zeichneten wir diese Strassenkreuzer leidenschaftlich gerne ab. Meistens verpassten wir ihnen auf dem Papier noch ein wildes Tuning oder hüllten sie in völlig verrückte Farben. Wäre damals jemand in unser Zimmer getreten und hätte uns prophezeit, dass wir über vierzig Jahre später gemeinsam einen 1967er Cadillac Eldorado kaufen würden, hätten wir ihn wohl nur ungläubig angeschaut.

Spulen wir das Rad der Zeit vor – exakt auf den 31. Oktober 2026. Tinu und ich fuhren an dem Tag nach Zürich, weil wir im Netz auf genau so einen Cadillac gestossen waren. Das 1967er Cadillac Eldorado Coupé hat es uns beiden seit jeher angetan. Es ist eine absolute Designikone, entsprungen aus den Federn von Ed Taylor und Don Rooper. Gemeinsam schufen sie dieses Kunstwerk aus Blech mit seinen messerscharfen, diamantförmigen Elementen – dem legendären Razor Edge Design (Rasierklingendesign).

Besonders die Rückleuchten stechen dem Betrachter sofort ins Auge – schlichtweg ein Geniestreich. Trotz seiner gewaltigen 221 Zoll, was umgerechnet satten 5,61 Metern Länge entspricht, wirkt der Amerikaner keineswegs vulgär oder protzig. Vielmehr vermittelt er puren Charme und zurückhaltende Contenance. Selbst Elvis Presley fuhr einen solchen Caddy – und der King hatte unbestreitbar Stil! Wenn also schon Elvis auf diese Stilikone setzte, konnten Tinu und ich mit unserem gemeinsamen Vorhaben unmöglich falschliegen.

Der Eldorado, den wir im Netz entdeckt hatten, war weiss lackiert, kombiniert mit einem schwarzen Vinyldach und einem schwarzen Interieur. Martin war anfangs skeptisch wegen der Farbe Weiss – einer Farbe, die ja eigentlich keine ist. Doch es gelang mir schnell, ihn davon zu überzeugen, wie äusserst edel diese Kombination gerade diesem Caddy steht.

Da der Preis im Inserat recht hoch angesetzt war, machten wir uns keine allzu grossen Hoffnungen auf ein schnelles Schnäppchen. Dennoch war der Trip nach Zürich unumgänglich, schliesslich steht ein 67er Eldorado Coupé nicht an jeder Strassenecke beim nächsten Occasionshändler. Ein weiteres interessantes Exemplar war zwar in Berlin ausgeschrieben – in edlem Gold mit beigem Interieur –, aber der Aufwand, einen Oldtimer im Ausland zu kaufen und ihn in die Schweiz zu importieren, war uns dann doch zu gross. Zumal auch das Fahrzeug in Deutschland preislich bei fast 30'000 Euro lag.

Auf der Fahrt nach Zürich heckten wir unsere Vorgehensweise aus. Für uns beide stand fest: Der inserierte Preis war schlichtweg zu hoch, also mussten wir eine kluge Verhandlungsstrategie parat haben. Vor Ort wurden wir von Gabriela, ihrem Mann und ihrem Cousin empfangen – allesamt äusserst herzliche Menschen, die uns von der ersten Sekunde an das Du anboten.

Der Caddy stand in der hintersten Ecke einer Tiefgarage, fast ein wenig wie ein geschlagener Hund. Wegen der eisigen Kälte starteten wir ohne grosses Vorgeplänkel direkt mit der Fahrzeuginspektion. Es dauerte nicht lange, bis ich auf eine unschöne Roststelle stiess – und das ausgerechnet an der A-Säule. Rost an einer so sensiblen Stelle verunsicherte mich sofort. Bei der weiteren Suche kamen noch ein paar andere Baustellen ans Licht: Die Spitze der Motorhaube zeigte Blasen, und im Kofferraum hatte sich der braune Feind an der unteren linken Seitenwand festgebissen. Nichts Schlimmes, aber dennoch unerfreulich. Auch der Chrom hatte seinen glanzvollen Tiefenstrahl von 1967 eingebüsst. Rost gab es hier zwar keinen, aber die typischen kleinen Alterspünktchen zeigten, dass der Wagen dringend etwas Politur und eine gehörige Prise Liebe vertragen könnte.

Positiv überrascht haben uns dafür die Substanz und die Mechanik: Die gewaltigen Türen öffneten und schlossen sich so satt wie bei einem fünfjährigen Occasion, und selbst die Spaltmasse passten perfekt – was für einen Amerikaner aus den Spätsechzigern keineswegs selbstverständlich ist.

Dann folgte die Probefahrt. Ehrlicherweise hatte ich mir im Kopf wegen der Roststellen eigentlich schon ein innerliches «Nein» gesetzt. Doch genau diese Fahrt sollte der Wendepunkt werden. Ich bin in meiner Oldtimer-Karriere schon viele Klassiker gefahren, die meisten davon aus Übersee, aber dieser Cadillac war genau das, was sich jeder echte Sammler insgeheim wünscht: Ein unverbasteltes, absolut authentisches Stück Originalität. Aufrichtig und ehrlich. Was an dem Wagen nicht gut war, sah man sofort; was gut war, fühlte man mit jedem Meter auf der Strasse. Der 429-cui-Motor mit seinen sieben Litern Hubraum trat mächtig an. Die 340 PS waren sofort spürbar und setzten den schweren Kreuzer souverän in Bewegung. Dazu surrten die elektrischen Seitenscheiben friedlich auf und ab, und selbst die markanten Klappscheinwerfer taten fehlerfrei ihren Dienst. Alles an diesem Auto war echt, inklusive der wunderbaren Patina.

Zurück vor der Tiefgarage ging es direkt in die letzte Rundumbesichtigung – und ohne Umschweife hinein in die Verhandlung. Warum das Ganze so schnell gehen musste? Weil es immer noch eisig kalt war und uns die gemeine Bise um die Ohren blies.

Wäre dieser Caddy während der Probefahrt nicht so unverschämt gut gelaufen, wäre mein Entscheid ohnehin schon längst gefällt gewesen, unabhängig von Tinu’s Gedanken. Martin hatte mir die technische Inspektion anvertraut, da alte Amerikaner nun mal mein absolutes Steckenpferd sind. Tinu selbst fährt einen 1969er Lotus Super Seven – zweifellos ein genialer Sportwagen, aber eben ein Leichtgewicht aus England und kein Dickschiff aus den USA.

Wie gesagt: Rein vom optischen Zustand her hätte ich wohl eher zu einem «Nein» tendiert. Doch das unbezahlbare Fahrgefühl hatte mich umgestimmt. Dennoch blieben da die harten Fakten: Der Rost musste dringend behandelt werden und auch die vordere Sitzbank hatte ihre besten Zeiten hinter sich – ein, zwei kleine Löcher im Polster stachen sofort ins Auge. Rechnet man das alles zusammen, stand uns eine Menge Arbeit bevor, die richtig ins Geld gehen können. Dazu kommt, dass solche riesigen Strassenkreuzer auf dem Markt ohnehin nicht zu astronomischen Preisen gehandelt werden. Und die aktuellen Benzinpreise von jenseits der Zwei-Franken-Grenze tragen nicht gerade dazu bei, sich leichten Herzens für so einen notorischen Vielschlucker zu entscheiden.

Aus verschiedenen Gründen war Gabriela schliesslich bereit, uns den Wagen zu einem äusserst fairen Preis zu überlassen. Da gab es kein langes Zögern mehr: Wir schlugen zu! Bei Kaffee und Guezli setzten wir gemeinsam den Vertrag auf, die Anzahlung wurde geleistet und plötzlich war es besiegelt. Etwas war passiert, das Tinu und ich noch am frühen Morgen für absolut unmöglich gehalten hätten: Wir waren soeben stolze Besitzer eines 1967er Cadillac Eldorado geworden.

Da der Oldie erst kürzlich frisch als Veteran geprüft worden war, fackelten wir nicht lange und entschieden uns, den Wagen direkt auf eigener Achse mit nach Hause zu nehmen. Auch Gabriela kam das gelegen, da sie so per sofort ihren Tiefgaragenplatz freibekam.

Tinu übernahm das Steuer und lenkte das frischerstandene Dickschiff Richtung Emmental, während ich mich auf Umwegen aufmachte, ein grosses Emailschild abzuholen. Die Fahrt ins Emmental verlief laut Tinu absolut reibungslos – der Caddy glitt majestätisch über die Schweizer Strassen. Und so schloss sich an diesem 31. Oktober ein wunderbarer Kreis: Zwei Freunde, die sich vor über vierzig Jahren im Kinderzimmer gemeinsam an Auto-Magazinen sattgesehen und von der grossen Freiheit geträumt hatten, wurden an diesem Tag stolze Besitzer eines echten amerikanischen Klassikers.

SYV 31.10.2026 20:15
Lieber Marc, dem gibt es nichts hinzuzufügen, genauso war und ist es! Stolz wie ein Honigkuchenpferd bin ich nun dank des 67er Eldorados in die US Cars Welt eingestiegen! Ich freue mich auf diese neue Geschichte mit dir, Marc!
SYV 31.10.2026 20:15
Lieber Marc, dem gibt es nichts hinzuzufügen, genauso war und ist es! Stolz wie ein Honigkuchenpferd bin ich nun dank des 67er Eldorados in die US Cars Welt eingestiegen! Ich freue mich auf diese neue Geschichte mit dir, Marc!
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