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VW Käfer 1964

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Und manchmal läuft es anders als man denkt...

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VW Käfer 1964

Und manchmal läuft es anders als man denkt...

Die Käfer-Story


Und manchmal läuft es anders als man denkt… Am 7. Mai 2026 kaufte ich am Kiosk die Tierwelt. Der Grund dafür war nicht wie üblicherweise der Inserateteil mit den Fahrzeugen und anderen technischen Geräten, sondern dem Inserateteil für Tiere, um ganz genau zu sein, Hunde. Jawohl, mein Sohn Aaron und ich möchten gerne einen Bulldog. Nicht irgendein Hund, sondern einer der zu unserem Wesen passt. Schrummlig, gemütlich, wenn schlafend in allen unmöglichen Positionen und meist schnarchend, halt ein Bulldog.

Vor Jahren kaufte ich die Tierwelt einzig und alleine wegen der Inserate, mit der Absicht eine Tanksäule oder einen Oldtimer darin zu finden. Da wurde hie und da zwischen Melkmaschine, Förderband oder Frontlader ein Oldtimer angeboten. Nicht selten konnten Sammler in der Tierwelt ein Schnäppchen machen, weil irgendein ahnungsloser Besitzer beim Aufräumen unwissentlich auf einen Goldschatz gestossen war und diesen in der Tierwelt inserierte. Der Inserateteil war lange Zeit fast gleich dick wie der restliche Teil der Zeitschrift und die Inserate waren zu 99% der Kaufgrund für einen Grossteil der Leserschaft.

Wie bereits erwähnt, anders diesmal der Grund für den Kauf der Tierwelt. Ich erschrak, als ich den Inserateteil, separat eingelegt, in der Zeitschrift fand. Dieser war so dünn, dass er tatsächlich nur aus ein paar wenigen Seiten bestehen konnte, fast hätte ich ihn entsorgt, in der Annahme, es sei Werbung. Internet sei Dank, litt die greifbare Medienwelt wie Fundgrube, Tierwelt und Co, weshalb sie ihren Bärenanteil an Inseraten der digitalen Welt abtreten musste. Die vor mir liegenden Tierwelt war der beste Beweis für diesen Wandel. Der Teil mit den Tieren bestand aus drei Seiten, der Teil mit den anderen Objekten inkl. Heidi, 60, «Ich verwöhne dich auf besondere Weise;» zählte gerade mal vier Seiten. Zwischen Bordercolli und Irish-Setter konnte kein Bulldog gefunden werden, also blätterte ich weiter, in der Hoffnung, wenigstens mit einem Stück «Alteisen» belohnt zu werden. Dabei schenkte ich immer wieder ein Auge meinem Sohnemann, der auf dem Spielplatz der Schaukäserei in Affoltern an den Geräten herumturnte. Da auch der damals für mich interessante Teil nur noch aus wenigen Seiten bestand, ward auch dieser schnell gelesen. Doch was erfasste mein findiges Auge? «VW Käfer De Luxe 1964, CHF 9800.-». Zack, war mein Interesse geweckt. Da ich mich erst kürzlich von meinem weissen Käfer trennte – jemand sehr sympathisches wollte den unbedingt haben – war ich ein wenig auf Entzug. Einmal Käfer, immer Käfer versicherte mir einmal ein Käfer-Fan und wahrscheinlich hatte er recht. Grundsätzlich stehe ich auf Ami-Schlitten und zwar die ganz grossen und dicken, da aber Käfer in Amerika verkauft wurden wie warme Semmel, gehören die Bugs auch schon fast zu den Amis. Mein Sohn hüpfte vergnügt auf dem Trampolin herum, also tippte ich die Nummer des Anbieters in mein I-Phone. «Ja Bürki» nahm eine älter klingende Stimme meinen Anruf entgegen. Nach den üblichen Anstandsfloskeln eröffnet ich Herrn Bürki mein Interesse am Käfer. Der Wagen sei schwarz und habe ein Stahl-Schiebedach. Anfänglich war ich etwas verwirrt, denn ich kenne die Faltdächer, aber Stahl-Schiebedächer anfangs der 60er? Herr Bürki versicherte mir, dass es diese gab und dass es eine Rarität sei! Es handle sich um einen De-Luxe Käfer. Das wiederum war mir bekannt, dass die bei VW den Käfer als Standard und als De-Luxe Variante anboten. Der Käfer sei sehr original und eigentlich gut in Schuss. Dieses «eigentlich» war das kleine Nebengeräusch, was mich verunsicherte. Anhand des Telefongesprächs stellte ich fest, dass ich um eine Besichtigung wohl nicht drumherum kommen werde. Die Käfer sind mittlerweile rar geworden. Originale und gute sowieso und der Preis von knapp unter 10'000.- war verlockend. Wir vereinbarten einen Termin für den kommenden Samstag, den 9. Mai. Am selben Abend durchforstete ich das Internet nach Käfern mit Jahrgang 1964. Plötzlich stiess ich auf eine Verkaufsanzeige der Touring Garage in Weiningen bei Zürich, welche möglicherweise genau einen gleichen Käfer angeboten hatten, wie ihn Herr Bürki nun zum Verkauf ausgeschrieben hatte. Ein 1964er De Luxe Model, schwarz mit dem Stahl-Schiebedach. «Also so rar sind die nun doch nicht», entglitt es mir spontan. Der Käfer machte auf den Fotos einen sehr ehrlichen und authentischen Eindruck. Wenn der am Samstag ähnlich dastehen würde, ist er gekauft! entschied ich für mich. Der Käfer der Touring Garage wurde vor einiger Zeit verkauft. Zu welchem Preis und wohin er ging, konnte ich nicht entnehmen.

Am Samstag traf ich vorzeitig in Mägenwil am vereinbarten Treffpunkt ein und wartete auf einen Mann, dessen Gesicht ich noch nie sah und ich wusste nicht einmal was für ein Auto er fuhr. Doch wenn zwei sich suchen, werden sie sich auch finden, bislang hatte das immer geklappt. Kurz vor 10 Uhr (dem vereinbarten Zeitpunkt), fuhr ein weisser Mercedes Lieferwagen hinter meinen weissen Renault Lieferwagen und wir sprachen einander an. Ich hatte meinen Mann gefunden und wie von ihm befohlen, fuhr ich Walti hinterher (wir hatten sofort Duzis gemacht). Nach einer ungefähr viertelstündigen Fahrt landeten wir in Muri AG bei einer Garage, welche sich augenscheinlich um ältere Fahrzeuge kümmerte. Der schwarze Käfer stand eingepfercht inmitten anderer Oldtimer. Er war dermassen staubig, hauptsächlich vom Blütenstaub, dass er beinahe zweifarbig erscheinen. Walti öffnete die Türen und stand für Red und Antwort zur Seite. Der erste Anblick war nicht gerade antörnend, ein spontanes «Nein» flüsterte mir mein inneres Ich zu. Lammfellüberzüge deckten die Vordersitze ab, diese waren vergilbt, schmuddelig und viel zu lose befestigt. Der Boden war komplett mit Zeitungen und anderem Ramsch zugemüllt, die Farbe des Bodenteppichs liess sich nur erahnen. «Die Zeitungen habe ich nur ausgelegt, da ich manchmal Wasser für meine Frau führen muss. Mit dem giesst sie dann ihre Blumen», klärte mich Walti auf, der erkannt haben musste, dass ich mich bezüglich der vielen Zeitungen und all dem Unrat Gedanken machte. Für mich stand sofort fest, so präsentiert man kein Auto das man verkaufen will. Doch Walti nahm es gelassen, er erzählte mir begeistert die Geschichte des Käfers, wie er diesen erst vor einem Jahr gekauft hatte und sehr viel mit ihm umhergefahren sei. Während Walti mir die Geschichte über den Käfer eingehend erzählte, schoss ich ein paar Fotos und übermittelte diese Oski, einem Käfer-Spezialisten. Ehe ich definitiv von dem Käfer absehen würde, wollte ich mir doch eine Drittmeinung eines Profis einholen. Der Käfer stand, abgesehen vom zugemüllten Interieur schön da – wenn man auch vom Blütenstaub und dem anderen Schmutz absah. Nach Rost suchte man vergebens, dass die Einstiegsschwellen beidseitig ein paar leichte Blasen aufwiesen ist völlig normal. Dies kann auch von schlechtem Kleben des Gummiüberzuges herrühren, es musste nicht zwingend Rost sein. Das Blechkleid als ganzes war sauber und nicht verbeult. Eine kleine Delle am vorderen Kotflügel und der Kofferraumdeckel war nicht mehr schön. Ich möchte immer Motorhaube sagen, da aber der luftgekühlte 4-Zylinder hinten steckt, ist das vorne eben die Motorhaube. Diese hatte einen Farbschaden und der müsste gemacht werden um den Veteranenstempel zu erhalten, da war ich mir sicher. Oski rief mich umgehend zurück und wir tauschten uns kurz aus. Schlussendlich liege der Entscheid bei mir, was mir auch einleuchtete. Eigentlich wollte ich schon abwinken, als mir Walti sagte, dass er den Käfer vor einem knappen Jahr von einer Oldtimer Garage in Weiningen gekauft habe. Er habe 17'500 Franken dafür bezahlt. Moment mal… Weiningen? «Dann hast du den Käfer von der Touring Garage erworben?» wollte ich sicher gehen. «Ja, genau». Ich verstummte und erinnerte mich an die Bilder des wunderschönen Käfers im Netz. Im Beschrieb stand noch, dass es sich um eine Erstauslieferung der Firma AMAG handle und der Käfer sehr original sei. Sofort hatte ich ein anderes Bild vor meinem geistigen Auge. Das Bild eines schönen und fertigen Käfers. Mittlerweile bin ich in einem Alter und meine Sammlung an Oldtimer hat eine Qualität, da möchte ich es vermeiden, Baustellen heranzuschleppen. Alle meine Oldtimer sind Veteran geprüft, in den jeweiligen Fahrzeugausweisen prangt der Code 180 und das soll bei allen künftigen Fahrzeugen dasselbe sein, welche ich mir anschaffe. Wenn ich zum Erlangen dieses Veteranenstatus etwas Hand anlegen muss, ist mir das noch egal, aber wenn eine Frame-Off Restauration für den Erhalt des Code 180 nahezu unumgänglich ist, dann lasse ich die Finger davon. Beim Käfer vor mir hemmte der ganze Müll im Fahrzeuginnern und das schmutzige Farbkleid die «Ich will es kaufen» Atmosphäre. Eigentlich verfüge ich über viel Phantasie und es sollte mir doch gelingen, diesen Müll und den Schmutz auszublenden. Als ich meine Augen zu schmalen Schlitzen schloss und gedanklich die bevorstehenden Arbeiten überflog, musste ich auf einmal eingestehen, die Arbeiten bis zum Prüfen waren überschaubar. Jawohl, auch bis zum Prüfen mit Veteranenstatus. Nach einigem hin und her Feilschen kamen wir zu einem Kaufpreis der anscheinend für beide stimmte. Der Handschlag ward gemacht und ich war wieder Besitzer eines VW Käfers. «Und läuft, und läuft, und läuft...» kommt mir immer wieder in den Sinn. Es gibt kaum ein anderes Auto dass so viele Emotionen in mir auslöst – nebst den Amerikanerautos natürlich – wie der VW Käfer. Weshalb das so ist, kann ich nicht sagen. Vielleicht weil mein Vater in jungen Jahren einen hatte und ich als kleiner Bube darin mitfuhr. Auch Gotti Annemarie hatte einen solchen VW Käfer und ich erinnere mich an eine wunderschöne Fahrt mit diesem weissen Käfer in Richtung Berner-Oberland. Jawohl, ich darf mich zu der Generation zählen, die sagen kann, mit einem Käfer aufgewachsen zu sein. Bei der noch älteren Generation ist es eine Selbstverständlichkeit. Die sassen alle irgendeinmal in einem Käfer.

Am darauffolgenden Montag holte ich den Käfer in Muri ab. Dies wollte Walti und ich noch viel mehr. Die Wetterprognosen verhiessen nichts gutes für die kommenden Tage und den armen Buckligen im Regen zu wissen, passte mir überhaupt nicht. Zumal er ein Schiebedach hat, dessen Dichtigkeit ich nicht kannte. Von Hand schoben wir den Käfer auf den Autoanhänger, ein Einachs-Anhänger, was für das knapp über 700 kg schwere Wägelchen völlig ausreichte. Während der Fahrt nach Inkwil regnete es nahezu ununterbrochen. Egal, ich konnte es verkraften, denn bald würde der Käfer im Trockenen stehen und von Spezialisten umsorgt. Roger ist ein echter Käfer-Spezi, er wird den VW sicher im Nu zum Laufen bringen. Nach dem Abladen wurde der Deutsche sofort auf den Lift genommen, angehoben und von ein paar Käfer-Experten auf die Schnelle beurteilt. Auch wenn ich manchen doofen Spruch einstecken musste – was unter Oldtimerliebhabern völlig normal ist – erntete ich nur Lob über den Kauf des Käfers. Es scheint, als hätte ich wieder einmal grosses Glück gehabt.

Ich erinnerte mich an die Worte von Ruckstuhl Ueli, einer Legende in der Sammlerszene. Er sagte mir einmal, «weisst du, die guten Stücke findest du nicht an einer Brocante. Sie finden dich, und das meist völlig unerwartet!» Der 1964er Käfer bestätigte diese Theorie. Dieser Wagen hat mich gefunden. Wenn ich im Nachhinein die Zufälle zusammenzähle, wie ich zu dem Käfer kam – oder eben, der Käfer zu mir, dann haben Uelis Worte tatsächlich etwas wahres dran.

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